Projekt Wildtiermonitoring Auerhuhn Dreizehenspecht Wolf Haselhuhn Luchs Rauhfusskauz Sperlingskauz Wildkatze
Wildtiermonitoring an der FVA

Monitoring | Nachweissicherheit

Monitoring

Hintergrund
Sowohl durch die Europäische Gesetzgebung als auch im Zuge nationaler Schutzgesetze stehen die Länder in der Verpflichtung, den Erhaltungszustand bedrohter Arten und ihres Lebensraums zu überwachen sowie zu dokumentieren. Die FVA hat bereits vor über 24 Jahren mit dem Monitoring zur Erfassung seltener Wildtierarten begonnen, dieses zunehmend ausgeweitet und seither rund 12.000 Nachweise gesammelt.

Diese fundierten und langfristig erhobenen Daten zur Verbreitung von Arten werden für die Analyse grundlegender Zusammenhänge zwischen Lebensraumbedingungen, Artenvorkommen und Populationsdichten wildlebender Tierarten benötigt, meist um Nutzungskonflikte zu minimieren oder den Umgang mit seltenen Tierarten zu optimieren. Auch die naturschutzbezogene Bewertung von raumplanerischen Eingriffen, die Planung und Ausweisung von Schutzgebieten sowie die Erstellung von Managementplänen stützen sich auf Kenntnisse über das Vorkommen seltener oder gefährdeter Arten.

Die Entwicklung
Ausgangspunkt des Wildtiermonitorings der FVA war die Erfassung des Auerhuhnbestandes im Schwarzwald ab 1989. Hierfür arbeiteten die Forstämter, die Auerwildhegegemeinschaften und die Auerwildhegeringe zusammen, um das Auerhuhnmonitoring durchzuführen. In den darauffolgenden Jahren wurde das Monitoring um weitere seltene Tierarten wie Haselhuhn, Dreizehenspecht, Raufußkauz und Sperlingskauz erweitert. Mit Gründung der Arbeitsgruppe Luchs (www.ag-luchs.de), in der die Bereiche Forst, Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und Wissenschaft vertreten sind, verlagerte sich 2004 auch das Luchsmonitoring an die FVA.

2006 und 2007 wurden im Rahmen des Monitoring zwei am Kaiserstuhl überfahrene Katzen an die FVA gemeldet, die als die ersten sicheren Nachweise der Europäischen Wildkatze in Baden-Württemberg seit 1912 gelten. Seitdem wird in den Wintermonaten ein systematisches Monitoring mit der Lockstockmethode durchgeführt, um weitere mögliche Vorkommen zu finden. Ergänzt wird dies durch das Erfassen von zufällig entdeckten Totfunden. Seit 2010 ist die FVA ebenfalls mit dem Monitoring von Wölfen beauftragt, da Baden-Württemberg aufgrund der schnellen Ausbreitung des Wolfes, der mittlerweile in vielen Bundesländern wieder nachgewiesen wurde, zum „Wolfserwartungsland“ zählt.

Die Wildtierbeauftragten - ein landesweites Expertennetzwerk
Die hohe Mobilität, die teilweise großen Aktionsradien und die heimliche Lebensweise von Wildtieren stellen eine methodische Herausforderung dar. Um angesichts der großen Flächen aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, muss basierend auf bestehenden raumgreifend angelegten Organisationsstrukturen nach Möglichkeiten gesucht werden, damit eine größtmögliche Menge an qualitativ hochwertigen Nachweisdaten erhoben werden kann. Für die Erfassung und Absicherung von diesen Hinweisen und um der Verpflichtung eines flächendeckenden Monitorings nachzukommen, bedarf es daher einem landesweiten organisierten Netz von Fachleuten. Innerhalb der unteren Forstbehörden sind seit dem Jahr 2004 sukzessive Wildtierbeauftragte (WTB) ernannt worden. Innerhalb eines jeden Landkreises gibt es einen bis zwei designierte Wildtierbeauftragte. Die Aufgaben der Wildtierbeauftragten umfassen vor allem die Erfassung und Überprüfung von zufälligen Hinweisen, die meist aus der Bevölkerung, der Jägerschaft sowie dem forstlichen Umfeld stammen. Deshalb sind die Wildtierbeauftragten auch kompetente Ansprechpersonen für übergeordnete Behörden in Sachen Wildtiermonitoring und für die lokale Bevölkerung in Fragen des Wildtiermanagements.

Insbesondere durch die räumliche Nähe der Wildtierbeauftragten zur lokalen Bevölkerung, der Jägerschaft und dem forstlichen Kollegium gelingt es eine große Anzahl an Meldungen zu registrieren. Eine zentrale Stelle im Land oder andere Auftragnehmende wären hierzu nicht in der Lage.

Um die Qualität des Monitorings weiterhin zu verbessern, werden die Wildtierbeauftragten durch regelmäßige Fortbildungen geschult. Zunehmend werden andere Fachleute, beispielsweise aus dem Jagdwesen und der Ornithologie, als sogenannte „geschulte Personen“ in das Netzwerk integriert, damit ihr Fachwissen bzw. ihre Ortskenntnisse genutzt werden können.

Das Monitoring und der Umgang mit zurückkehrenden Wildtierarten wie Luchs, Wildkatze und Wolf erfordern ein spezielles Wissen, welches aufgrund der langen Abwesenheit dieser Tiere erst aufgebaut werden muss. Dies betrifft einerseits die artspezifischen Erkennungsmerkmale (z.B. die Unterschiede von Wild- und Hauskatze, die Risstechnik des Luchses oder das Fährtenbild des Wolfes) und andererseits die Anwendung neuer Nachweismethoden (Speichelproben oder Haarproben für DNA-Analysen, usw.). Auch die Biologie dieser Tierarten und die neuesten Erkenntnisse zu ihrer Ökologie werden bei den jährlich stattfindenden Treffen der Wildtierbeauftragten und geschulten Personen vorgestellt.

Die Wildtiermonitoring-Datenbank
Die ursprünglichen Papierformulare zum Erfassen von Bestandeszahlen, Sichtungen und Rissmeldungen wurden mittlerweile vollständig durch eine webbasierte Wildtiermonitoring-Datenbank (WIMO) ersetzt, die in Zusammenarbeit mit der Fachgemeinschaft für Wald-Wild-Landschaftsökologie (WWL) entwickelt wurde. Jede Nachweisart einer jeden Tierart kann in dieser Datenbank detailliert erfasst und später abgefragt werden. Die technische Weiterentwicklung ermöglicht nun auch den Wildtierbeauftragten die direkte Eingabe von Meldungen in die Datenbank. Eine große Arbeitserleichterung stellt insbesondere die Möglichkeit dar, die räumliche Lage des Hinweises direkt einzutragen: entweder durch die Koordinaten im Gauß-Krüger-System oder über eine interaktive Karte. Eine komplizierte und teilweise fehlerhafte Umrechnung von verschiedenen Koordinatensystemen entfällt.

Um die Monitoringdaten effektiv filtern und auswerten zu können, wurden verschiedene Abfrageparameter eingebaut. Die abgefragten Daten können direkt in einer Karte betrachtet oder als Tabelle mit den Koordinaten exportiert werden, was die räumliche Darstellung und weitere Auswertung in einem Geographischen Informationssystem (GIS) ermöglicht.

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