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Wolf (Canis lupus)


Basisinformationen | Nachweisarten | Nachweise in Baden-Württemberg

Beobachtung (Foto, Film)
Wölfe lassen sich auch für Experten nicht ohne weiteres von wolfsähnlichen Hunden unterscheiden. Manchen Hunderassen wurde die Ähnlichkeit zu Wölfen gezielt wieder angezüchtet. Aus diesem Grund reicht es zur Unterscheidung zwischen Wolf und Hund meist nicht aus, einzelne typische Merkmale eines Wolfes zu erkennen. Hierzu zählen die stets aufrecht getragenen Ohren, der meist hängende und buschige Schwanz, die lange Schnauze und der dunkle Sattelfleck. Es gibt jedoch stets eine Hunderasse, bei der einzelne dieser Merkmale ebenfalls ausgeprägt sind. Im Monitoring sind Beobachtungen entsprechend schwer zu bewerten. Dementsprechend kann eine Beobachtung nur als Hinweis jedoch nicht als Nachweis gelten. Bei vorliegendem Bild- oder Filmmaterial kann je nach Qualität der Wolf allerdings sicher identifiziert werden.

Riss
Wölfe töten mittlere und große Beutetiere immer mit einem gezielten Biss in die Kehle (Drosselbiss), der typische Spuren hinterlässt. Sehr große Tiere wie Hirsche werden zuvor häufig durch kräftige Bisse in die Flanken oder Läufe zu Fall gebracht. Wildernde Hunde fügen den Beutetieren in aller Regel sehr viel und recht ungezielte Verletzungen zu. Da diese von außen nicht immer sichtbar sind, sind die von Wölfen getöteten Beutetiere (Risse) nur durch eine sorgfältige Untersuchung des Kadavers eindeutig von Hunderissen zu unterscheiden. Hierzu sollten die Wildtierbeauftragten und / oder die FVA hinzugezogen werden.

Haben mehrere Wölfe eine Beute erlegt, fressen sie diese meist auch an verschiedenen Stellen an. Sie öffnen den Bauchraum und fressen das Muskelfleisch von Keulen und Schultern. Risse von Einzelwölfen werden dagegen oft nur an Schulter und Keule angeschnitten, ohne die Bauchdecke zu öffnen. Häufig werden auch einzelne Teile von der Beute abgetrennt und versteckt. Bleiben Wölfe ungestört, kommen sie oft über mehrere Nächte zum Riss zurück und nutzen diesen vollständig. Kleinere Tiere werden meist komplett (mit Fell und Knochen) verzehrt, bei größeren bleiben häufig die Decke, größere Knochen und bei Wiederkäuern der Panseninhalt oder der ganze Pansen zurück (Kluth und Reinhardt 2011 aus "Mit Wölfen Leben", LUPUS).

Ein Riss kann nur dann als Nachweis gelten, wenn er durch einen Experten / eine Expertin überprüft wurde. Ansonsten gilt der Riss nur als Hinweis.

In der Broschöre "Wer war es" (Kaczensky et al. 2008) finden Sie detaillierte Informationen zur Risserkennung.
Download der Broschüre als pdf-Datei, 4,8 MB


Fährte und Trittsiegel
Das Trittsiegel eines erwachsenen Wolfes gleicht dem eines großen Hundes. Anhand einzelner Trittsiegel lassen sich Wolf und Hund nicht sicher unterscheiden. Die Krallen sind beim Wolf kräftig und gerade ausgerichtet und meistens in der Spur gut zu erkennen. Viele Hundepfoten scheinen runder und unregelmäßiger als die eher länglichen und ebenmäßigen Wolfspfoten. Die Krallen von Hunden sind oft ungleich ausgerichtet und undeutlicher abgedrückt.

In der Größe variieren die Trittsiegel bei erwachsenen Wölfen zwischen 7 – 9 cm in der Breite und 8 – 10 cm in der Länge. Die individuellen Größenunterschiede können aber beträchtlich sein. Als Richtwert gilt:

Die Vorderpfoten sind ca. 1 cm länger als breit und 1 cm länger als die Hinterpfoten.

Eine Fährte kann nur dann als Nachweis gelten, wenn sie durch einen Experten / eine Expertin überprüft wurde. Ansonsten gilt die Fährte nur als Hinweis.

Kot
Kot wird von Wölfen gerne zur Markierung an auffälligen Plätzen oder entlang von häufig begangenen Wechseln abgesetzt. Der Kot enthält viele Schalenwildhaare, Knochenfragmente und zum Teil sogar Schalen und Zähne der Beutetiere. Wolfslosungen können als C2-Nachweis gelten, wenn sie mindestens 2,5 cm dick und oft über 20 cm lang sind. Von Fuchslosungen unterscheiden sie sich durch ihre Größe und die größeren Knochenreste. Hundekot unterscheidet sich in Form und Größe wenig, meist aber durch die aufgenommene Nahrung. Für einen sicheren Nachweis, besonders bei frischem Kot wird eine Laboruntersuchung benötigt.

Haare
Wolfshaare lassen sich nicht von Hundehaaren unterscheiden. Lediglich eine genetische Untersuchung kann den sicheren Nachweis für einen Wolf erbringen.


Ruf
Manche Hunde können heulen wie Wölfe. Grundsätzlich lässt sich deshalb das Heulen eines einzelnen Tieres nicht eindeutig einem Wolf zuordnen. Wird aber über Chorheulen berichtet, insbesondere mit Welpen, so kann dies Anlass sein, in dem Gebiet umgehend nach Spuren und Losung zu suchen, sofern in diesem Gebiet noch keine Reproduktion bestätigt wurde.


Wie sicher ein Hinweis die Anwesenheit eines Tieres tatsächlich belegt, ist zum einen von der Art des Hinweises abhängig, zum anderen spielen auch die artspezifischen Kenntnisse des Melders/ der Melderin eine entscheidende Rolle. Bei der qualitativen Beurteilung eines jeden Nachweises muss dies berücksichtigt werden.

Zum Beurteilungsschema Wolf [118 KB]